Im Test: Stromer ST2S – ein E-Bike der Superlative

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Bis zu 180 km Reichweite, über 45 km/h schnell, mit GPS-Ortung und elektronisch gesteuerter Schaltung zum Preis eines Kleinwagens: Der Stromer ST2S ist wahrlich ein E-Bike der Superlative, was sich auch hier im Test zeigte.

Zugegeben: Es gab durchaus einige Vorbehalte, als ich die Anfrage für einen Test des Stromer ST2S bekam. Wer leichte und minimaltistische E-Bikes bevorzugt, die sich möglichst stark am klassischen Fahrrad orientieren, wird das Topmodell von Stromer auf den ersten Blick als krassen Gegenentwurf sehen. Anderseits ist das Rad auch vollgepackt mit technischen Innovationen, die es absolut einzigartig machen: Ein riesiger Akku für extreme Reichweite, Shimanos elektronische Di2-Schaltung, Tagfahrlicht mit Fern- und Bremslicht, App-Anbindung und GPS-Ortung. Die Neugierde war also geweckt und der Stromer ST2S kam für gut einen Monat zum Praxistest vorbei.

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Was bei der Übernahme als erstes auffiel, war das Gewicht: rund 27 kg bringt der Stromer auf die Waage, was grundsätzlich nicht wenig ist. Für ein Rad mit einer solch umfangreichen Ausstattung ist das Gewicht aber durchaus okay – zumal schon der riesige Akku allein fast 5 kg wiegt. In diesem Zusammenhang zeigte sich aber auch gleich, wie solide das Rad aufgebaut ist. Alles wirkt schon auf den ersten Blick massiv, ein Großteil der Teile ist aus Metall gefertigt und selbst flexible Elemente wie die Kabelführung machen einen sehr haltbaren Eindruck.

Betrachtet man dann das Rad einmal in Ruhe, fallen viele kleine Details ins Auge die zeigen, dass der Stromer auch durchaus einem minimalistischen Ansatz folgt. Der Akku ist sauber ins Unterrohr des Rahmens integriert und lässt sich über eine seitliche Klappe entnehmen. Im Rahmen ist zudem das charakteristische Tagfahrlicht integriert, der Hauptscheinwerfer sitzt zentral am Lenker. Über unauffällige Taster an der rechten Lenkerseite lässt sich das Rad bedienen, ein bündig in den Rahmen eingelassenes Display stellt zudem diverse Informationen dar. An Kabeln ist einzig der massive Strang vom Lenker in den Rahmen zu sehen. Im Vergleich zu vielen anderen E-Bikes mit aufgesetztem Akku, zahllosen Leitungen und separaten Displays hat Stromer also durchaus eine elegante und integrierte Lösung gefunden.

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Bevor man sich zur ersten Runde mit dem Stromer ST2S aufmacht, sollte man sich kurz mit der Bedienung vertraut machen. Der Ein-Aus-Schalter liegt unauffällig unterhalb des Touchscreen-Displays an der Unterseite des Oberrohrs. Einmal eingeschaltet, muss das Rad zunächst über den Touchscreen entsperrt werden. Alternativ kann man dies auch über Smartphone-App machen.

Zur Steuerung des Scheinwerfers und Motors gibt es drei beleuchtete Tasten neben dem Lenkergriff: Hier lässt sich zwischen drei Stufen der Motor-Unterstützung wählen, ebenso kann bei Bergabfahrten die Rekuperation gesteuert werden. Dadurch bremst der Motor mit und gibt die gewonnene Energie zurück in den Akku. Mit der Aktivierung des Scheinwerfer-Tasters wird auch das Fernlicht eingeschaltet. Das Tagfahrlicht leuchtet hingegen immer, ein helles Bremslicht im Rücklicht geht automatisch bei Betätigung des Bremshebels an.

Unterhalb des Lenkergriffs sitzt dann der Taster der Shimano Di2-Schaltung. Auf Knopfdruck legt ein kleiner Stellmotor den passenden Gang ein, während ein winziges, aber beleuchtetes Display am Lenker den gewählten Gang anzeigt.

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Der Akku des ST2S bietet sagenhafte 983 Wh und wird über eine seitliche Klappe in den Rahmen gesteckt. Dank seines stabilen Alugehäuses und einem integrierten Tragegriff lässt er sich auch recht einfach zum Ort des Aufladens transportieren – wenn er nicht direkt im Rahmen geladen wird. Das Akkufach ist über ein integriertes Schloss verschliessbar, was angesichts des Werts eines solchen Akkus durchaus sinnvoll ist.

Einmal in Fahrt, sorgt der Stromer ST2S dann unverzüglich für großes Staunen: Das scheinbar hohe Gewicht scheint geradezu verflogen und der Stromer reagiert absolut direkt und flott – zumindest ab der zweiten Unterstützungsstufe des Motors. Schaltet man runter in die erste Stufe, merkt man dem Rad das Gewicht dann deutlich stärker an. Also schnell zurück in die zweite Stufe und weiter geht’s.

Der ST2S beschleunigt und beschleunigt, während man die elf Gänge Klick für Klick mit dem Schalter durchfeuert. Die Shimano Di2-Schaltung arbeitet dabei beeindruckend komfortabel und reaktionsschnell. Beim Erreichen des größten bzw. kleinsten Ganges gibt die Schaltung über einen Piepton akustisches Feedback, was in der Ebene recht häufig vorkommt: Hier kommen einem die elf Gänge fast schon zu fein abgestuft vor und man ist sehr oft im höchsten Gang unterwegs. Zudem ist der Unterstützungsbereich des Motors so groß, dass man in der Ebene auch getrost auf einige Zwischengänge verzichten könnte. Ihren wirklichen Nutzen konnten die kleineren Gänge dann doch noch auf einem Streckenabschnitt mit über 17% Steigung beweisen – hier machte es also durchaus Sinn, öfters herunterschalten zu können.

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Der Motor selbst fällt vor allem dadurch auf, dass er nicht auffällt: Er arbeitet absolut leise und ist fast schon unhörbar. Wenn beim Beschleunigen die Unterstützung einsetzt, dann sehr harmonisch und gleichmäßig. Ebenso sanft hört auch die Unterstützung oberhalb der 45 km/h-Marke aus.

Stichwort Geschwindigkeit: Der ST2S gilt als S-Pedelec, was Folgendes bedeutet: Die Motor-Unterstützung reicht bis zu 45 km/h, das Rad muss eine Zulassung mit Kennzeichen und Außenspiegel haben, zudem muss der Fahrer einen Helm tragen. Ein erster Erkenntnisgewinn: Es macht durchaus Sinn, den beiliegenden Rückspiegel zu montieren – die Windgeräusche sind oberhalb von 40 km/h so hoch, dass man Fahrzeuge hinter einem kaum noch hören kann.

Geschwindigkeiten um die 45 km/h erreicht man mit dem Stromer ST2S übrigens erstaunlich leicht, erst recht in der dritten und höchsten Unterstützungsstufe des Motors. Man bemerkt die hohe Geschwindigkeit beim Fahren gar nicht mal so sehr – ein kurzer Blick auf das Display genügt aber, um Gewissheit darüber zu haben.

Neben der aktuellen Geschwindigkeit zeigt das Display auch weitere Informationen wie Durchschnittsgeschwindigkeit oder gefahrene Kilometer sowie den Akkustand an. Für tiefgreifende Einstellungen – beispielsweise zur Kraftentfaltung des Motors – greift man besser gleich zur Stromer Smartphone-App. Hierüber lässt sich das Rad nicht nur sperren und entsperren, sondern auch die genannten Konfigurationen bequem durchführen. Zudem kann das Rad auf einer Landkarte in der App geortet und im Falle eines Diebstahls gemeldet werden.

Generell bietet der Stromer einen umfangreichen Diebstahlschutz: Ist das Rad gesperrt und wird trotzdem bewegt, beginnt nach kurzer Zeit der Motor zu blockieren. Dies macht ein weiteres Schieben oder Fahren des Rads fast unmöglich; zudem beginnen alle Lichter am Rad auffällig zu blinken. Und mit der angesprochenen Tracking-Funktion wird bei bestehender Mobilfunk-Verbindung der Standort des Rads aufgezeichnet. Braucht man den Stromer also gar nicht mehr abschliessen? Könnte man fast so handhaben, aber leider dürfte aber kaum ein Dieb von den Sicherheits- und Alarmfunktionen wissen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schliesst das Rad also besser trotzdem mit einem separaten Schloss ab.

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Ein weiteres Highlight ist – sprichwörtlich – der Scheinwerfer des ST2S. Dabei handelt es sich um das Topmodell von Supernova, das M99 Pro. Dieses bietet als erster E-Bike Scheinwerfer ein echtes Fernlicht mit voller Ausleuchtung oberhalb des Blendhorizontes, genau wie ein Autoscheinwerfer. Im Fernlicht leuchtet das M99 pro mit gewaltigen 1.600 Lumen, im Abblendlicht mit ebenso beachtlichen 1.100 Lumen. Neben der gesteigerten Sicht für den Fahrer sorgt der Scheinwerfer somit auch dafür, dass man von anderen Verkehrsteilnehmern deutlich wahrgenommen wird. Das schlanke Rücklicht stammt ebenso von Supernova und wirkt deutlich zurückhaltender – ist aber sehr hell, insbesondere auch in seiner Funktion als Bremslicht.

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Mit seiner starren Carbongabel vorne kommt der Stromer ST2S ohne Federung daher, weswegen die Frage nach dem Fahrkomfort durchaus interessant ist. Und zur großen Überraschung lässt sich das Rad durchaus komfortabel bewegen. Grund dafür sind die relativ kleinen 26″ Laufräder mit dicken Reifen von Continental. Diese federn mit eher niedrigem Reifendruck viele Stöße souverän ab und verhelfen dem Stromer zu hohem Fahrkomfort auf befestigtem Untergrund. Allerdings ist in Sachen Reifendruck ein passender Kompromiss zu finden, da bei zu niedrigem Druck das Lenkgefühl bei hohen Geschwindigkeiten schwammig wird. Ich persönlich hätte mir eher einen bequemeren Sattel gewünscht, da sich dieser auf Dauer doch als ziemlich hart erwiesen hat.

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© Fotos: unhyped.de, 2016

Zusammengefasst hat der Stromer ST2S gleichermaßen überrascht und begeistert: Trotz des Gewichts fährt sich das Rad sehr leicht, agil und dabei komfortabel. Die Ausstattung ist vollkommen alltagstauglich und die Steuerung der technischen Komponenten so elegant wie einfach. Die mögliche Reichweite ist dank des gewaltigen Akkus enorm – und auch ohne es explizit getestet zu haben, sind die von Stromer genannten 180 km sicherlich machbar.

Bleibt nun also noch die heikle Frage nach dem Preis. Genau 8.990 Euro verlangt Stromer für den ST2S – und auch hier erweist sich das Modell als E-Bike der Superlative. Wer auf manche Leckerbissen wie die elektronische Schaltung oder den Supernova-Scheinwerfer verzichten kann, findet übrigens im regulären Stromer ST2 für rund 6.500 Euro eine etwas günstigere Alternative.
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